12/13er DS: Die sieben Todsünden und wir
von Christine Blinn, 01.09.2025, 12:38 Uhr
Die sieben Todsünden? Kannst Du sie aufzählen? Wann hat man die denn zum letzten Mal gehört? Vielleicht bei der Werbekampagne von Magnum im Jahr 2003. Ganz schön angestaubt, mag man da denken. Dass dies keineswegs der Fall ist, zeigte der DS-Kurs 12/13 unter der Leitung von Julia Schäfer, indem sie den Staub energisch wegwischten und Wollust, Trägheit, Völlerei, Habgier, Neid, Zorn und Hochmut ins Zeitalter der sozialen Medien transferierten. Ihr selbstgeschriebenes Stück zeigte dabei eindrucksvoll, welche zerstörerischen Kräfte die personifizierten Sünden in den sozialen Netzwerken entfalten können und wie unzureichend vor allem Jugendliche davor geschützt werden.
Zirkulär angelegt beginnt das Stück mit einem Paukenschlag, mit dem es auch enden wird: Ein markerschütternder Schrei hallt durch die Aula, als der Schutzengel von den Sünden gefangen genommen wird, denn er hat versagt, seinen Menschen ihrem Einfluss zu entziehen. Und keiner hilft, auch das direkt angesprochene Publikum kann diesem Ende am Anfang nur hilflos zuschauen. Doch was war passiert?
Rückblick: Die Todsünden versammeln sich am großen Tisch, um ihr nächstes Opfer auszuwählen und ganz schnell ist dies gefunden. Schritt für Schritt nehmen nun die einzelnen Sünden ihre Arbeit auf, verführen und zerstören. Sein Engel versucht den Jugendlichen zu schützen, informiert das Publikum nicht nur über Daten und Fakten rund um den Konsum von sozialen Medien, sondern fordert in der direkten Ansprache das Mitdenken und Mitmachen ein. In diesem Falle vergeblich. Das Opfer ist verloren, aber ganz im Sinne von Bertolt Brecht ist das Publikum zur kritischen Reflexion angeregt, deren Erkenntnisse sich auch über das Theater hinaus in ihr eigenes Leben transferieren sollen. Bist Du vor dem Angriff der Todsünden geschützt?
